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Ansturm auf neue Domains


23.10.2009
Neuheit im deutschsprachigen Internet: Ab heute morgen konnten erstmals ein- und zweistellige Domains bei der Registrierungsstelle Denic angemeldet. Der Run auf die neuen Adressen war in den ersten Stunden enorm.

Im deutschsprachigen Internet hat am Freitag eine kleine Revolution stattgefunden. Seit 09.00 Uhr können bei der Registrierungsstelle Denic in Frankfurt ein- und zweistellige Domains wie a.de oder ab.de angemeldet werden. Das Interesse war erwartungsgemäß riesig. Schon in der ersten Stunde waren etwa 6.000 Domains weg. Die Chancen, eine der Adressen zu ergattern? Gleich null. Das Risiko von Rechtsstreitigkeiten für die Glückspilze? Ziemlich hoch.

Jahrelang ließ die Denic nur mindestens dreistellige Domains wie abc.de registrieren. Es gab wenige Ausnahmen wie die Kennung der Deutschen Bahn, db.de. Der Autokonzern Volkswagen war es schließlich, der sich seinen Firmennamen als Domain vw.de in einem langen Rechtsstreit von der Denic erklagte. Ende September bestätigte der Bundesgerichtshof ein entsprechendes Urteil.

Die Reaktion der Denic war ein Paukenschlag für die deutsche Internetszene: Die Registrierungsstelle, die von etwa 270 IT-Unternehmen getragen wird, gab auf einen Schlag einstellige und zweistellige Domains frei. Neu ist auch die Registrierung von reinen Zahlendomains wie 12345.de und von Autokennzeichen wie bad.de (für Baden-Baden) oder fri.de (für Friesland). Mit der Registrierung einstelliger Domains ging die Denic noch über die Regelungen vieler europäischer Nachbarn ab. In Schweden zum Beispiel gibt es seit Jahren zweistellige Adressen.

Die Registrierung für die Domains in Deutschland begann am Freitag. Der Andrang war riesig groß. Schon in der ersten Stunde wurden etwa 6.000 Domains registriert. Die Registrierung verlief aber ohne technische Probleme, wie Denic-Sprecher Michael Schleicher sagte. „Das Interesse ist sehr groß.“

Beste Chancen über Servicefirma

Privatleute oder Firmen, die nicht Mitglieder bei der Denic sind, hatten nur geringe Chancen, an eine der begehrten Domains zu kommen. Zwar wäre es theoretisch möglich gewesen, einen Antrag auch per Fax oder Mail zu stellen. Doch jede Servicefirma konnte ab 09.00 Uhr pro Minute vier Domains elektronisch beantragen. Die begehrtesten Adressen waren so innerhalb kürzester Zeit vergeben. Den Anfang machte gleich um 09.00 Uhr die die Domain tv.de, wie Denic-Sprecher Schleicher berichtete.

Bei tv.de kam die IT-Firma Key-Systems aus Zweibrücken zum Zuge, die mit über 200 anderen Firmen um die begehrte Adresse konkurrierte. „Wir haben eine Flasche Sekt geöffnet“, sagte Chief Operating Officer Thorsten Smeets. Sein Unternehmen registrierte die eingängige Adresse für einen Kunden, den der Manager am Freitagnachmittag noch nicht bekanntgegeben wollte.

Eine Domain wie tv.de bringt auf dem Domainmarkt leicht mehrere Hunderttausend Euro. Kein Wunder, dass das Interesse an den neuen Adressen riesig groß war – bei gleichzeitig sehr geringem Angebot. Die Zahl der neuen ein- und zweistelligen Domains liegt bei etwa 1600. Hinzu kommen die Adressen, die bislang reserviert waren, weil sie Autokennzeichen entsprechen. Bei insgesamt 13 Millionen .de-Domains war das Angebot am Freitag verschwindend gering.

Unter Umständen Anwaltschreiben möglich

Und die wenigen Glückspilze werden nicht immer Freude mit ihren neuen Domains haben. Selbst wer als Privatmann seine Initialen ergatterte, muss damit rechnen, Abmahnungsschreiben von Anwälten zu bekommen. Denn Inhaber von bekannten Marken haben in Deutschland gute Chancen, vor Gerichten zu gewinnen. Bis heute gilt ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes, der vor acht Jahren einem Privatmann namens Shell seine Domain shell.de wegnahm und dem Mineralölkonzern zusprach, obwohl das Unternehmen die Registrierung in den 90er Jahren verschlafen hatte.

Bei reinen Zahlendomains wie 12345.de dürfte das Risiko eines Rechtsstreites wohl deutlich geringer sein. Und wegen der schieren Menge der Adressen die Chancen höher, eine zu bekommen. Doch auch hier zahlte sich aus, wer schnell war oder viel Geld an eine Servicefirma gezahlt hatte. Selbst die Postleitzahlen vieler Kleinstädte waren am Freitagnachmittag schon vergeben.
Quelle: focus.de


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