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Arabisch erobert das Internet


18.11.2009
Die Vorherrschaft der lateinischen Schrift im Web wankt: Ab sofort gibt es arabische Domain-Namen. Der erste lautet „.Misr“ und bedeutet „Ägypten“.

Kairo. Das Monopol lateinischer Buchstaben für Internetdomänen ist gefallen: Bei einem Treffen des „Internet Governance Forum“ (IGF) in Sharm-el-Sheikh am Roten Meer wurde in der Nacht auf Mittwoch verkündet, dass es ab sofort neben den bisherigen „Top-Level-Domains“ (den hochrangigsten Ebenen von Webadressen) wie „.com“, „.org“, „.int“ bzw. nationalen Endungen wie „.at“ die erste Domain gibt, die nicht in lateinischer Schrift geschrieben wird: nämlich „مصر“ – das liest sich (von rechts nach links) „Misr“, und heißt auf Arabisch „Ägypten“.

„Das Internet spricht Arabisch“, sagte Ägyptens Technologieminister Tarek Kamel stolz. „Das ist ein großartiger Moment für uns.“

Das IGF ist ein beratendes Gremium zur Gestaltung und Verwaltung des Internet; es wurde 2006 von der UNO als offene Plattform für Vertreter von Staaten, Firmen, Organisationen sowie Unis ins Leben gerufen, und tagt einmal im Jahr. Das viertägige Treffen in Ägypten endete am Mittwoch.


Chinesisch, Kyrillisch etc. folgen

Möglich wurde der Schritt, nachdem die dem US-Handelsministerium angeschlossene Gesellschaft zur Vergabe von Domänen (ICAAN) jüngst zugestimmt hatte, das „lateinische Monopol“ aufzugeben. Neben Arabisch sind bald auch Domänen in Chinesisch, Kyrillisch, Koreanisch und einigen anderen Schriftzeichen möglich.

Jerry Yang vom Websuchdienst „Yahoo“ kündigte für 2010 einen E-Mail-Service auf Arabisch an. Obwohl es 300 Millionen arabischsprechende Menschen gibt, sei nur ein Prozent des WWW-Inhalts in arabischer Sprache.

Bereits vor dem Treffen in Sharm-el-Sheikh waren indes Zweifel laut geworden, ob Ägypten, dessen Regierung oft gegen oppositionelle Blogger vorgeht, ein geeigneter Gastgeber sei. Und selbst von arabischer Seite sieht nicht jeder die neuen Domänen positiv: „Das wird total überbewertet“, meint Wael Abbas, Ägyptens prominentester Blogger, im Gespräch mit der „Presse“.


Null Bock auf den Rest der Welt?

„Arabische Domänen schaffen Distanz, denn auf sie kann nur mit einer arabischen Tastatur zugegriffen werden“, sagt er. Im Internet gehe es aber darum, dass weltweite Netze geschaffen würden. Der neue Schritt, fürchtet er, führe zur „Lokalisierung des Internet“. Am Ende könne sich ein Phänomen wie beim Lokalfernsehen in den USA entwickeln, bei dem sich alle nur noch für ihre unmittelbare Umgebung interessieren und keine Ahnung von der Welt haben.

Abbas hatte sich weltweit einen Namen gemacht, als er Videos von Folter in ägyptischen Polizeistationen ins Web stellte. CNN kürte ihn vor zwei Jahren zum „Mann des Jahres im Nahen Osten“. So wie er kritisierte die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ die Wahl Ägyptens als Konferenzort; bisher waren Griechenland, Brasilien und Indien die Schauplätze; ins indische Hyderabad kamen dabei 2008 rund 1300 Teilnehmer aus 93 Ländern. Das IGF-Treffen in Ägypten aber verbessere das Image der Regierung in Kairo zu Unrecht.

„Zwar gibt es keine direkte Net-Zensur, von kurzfristigen Ausnahmen abgesehen, aber es wird von der Internetpolizei beobachtet“, erklärt Abbas. „Ägyptische Blogger gehen im Gefängnis aus und ein, werden verprügelt und gefoltert, um ihre Passwörter zu erfahren.“
Quelle: diepresse.com


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