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Mit Domino und Domains feiern die Deutschen den 20. Jahrestag des Mauerfalls |
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Ausgerechnet das Oberhaupt eines Staates, in dem man für politische Witze in ernste Schwierigkeiten geraten konnte, war Urheber des wohl berühmtesten Treppenwitzes der deutschen Geschichte: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten", formulierte Walter Ulbricht, Staatsratsvorsitzender der DDR, bei einer Pressekonferenz am 15. Juni 1961 - zwei Monate, bevor Beton und Stacheldraht Berlin dauerhaft in zwei Hälften teilen sollte. Ein bitterer Scherz, der den meisten das Lachen im Halse stecken bleiben ließ. Auf die eigentliche Pointe mussten die Deutschen 28 Jahre lang, bis zum 9. November 1989, warten.
assungslos beobachten die Berliner das rege Treiben am Morgen des 13. August 1961: Stundenlang sind Volkspolizisten schon damit beschäftigt, das Straßenpflaster aufzureißen, Stacheldraht zu ziehen und Steine übereinanderzuschichten. Bereits seit Mitternacht gilt für die Nationale Volksarmee "Erhöhte Gefechtsbereitschaft", Panzer rollen in Berlin. Im kleinsten Kreis plante Ulbricht diese historische Nacht- und Nebelaktion. Erst am Vorabend des Mauerbaus informierte der Staatschef die Genossen des Minister- und Staatsrats - im Rahmen einer kleinen Party im Gästehaus am Döllnsee.
Quellenreich, tagesgenau und sehr ausführlich wird auf www.chronik-der-mauer.de geschildert, was in dieser folgenreichen Sommernacht geschah. Vorbildlich schlüsselt die Homepage, die von der Bundeszentrale für politische Bildung, Deutschlandradio und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung betrieben wird, den Zeitraum von 1961 bis 1989 in gut verständlichen Artikeln auf. Zahlreiche Abschriften und Tondokumente von Reden, Beschlüssen und Interviews geben zusätzlich Auskunft darüber, wie innerhalb und außerhalb der DDR auf den Bau des "antifaschistischen Schutzwalls" reagiert wurde.
Nicht ganz so ausführlich, aber nicht minder informativ fallen die Seiten www.die-berliner-mauer.de und www.berlinermaueronline.de aus, hinter denen Privatpersonen stehen: Während Erstere einen gerafften, gut strukturierten Überblick auch über die Vorgeschichte der Berliner Mauer liefert, stellt Letztere eine bunte Sammlung aus Fakten, Erinnerungen, Bildern und Historie dar.
Zu diesen Fakten gehört auch, dass es heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall, gar nicht so einfach ist, den Verlauf des Grenzwalls nachzuvollziehen. Nachdem die Berliner fast 30 Jahre lang auf der Ostseite grauen, auf der Westseite bunt-bemalten Beton vor Augen hatten, ist es verständlich, dass sie nur wenig davon übrig ließen. Unter www.mauerfotos.de und www.dieberlinermauer.de belegen gut sortierte Bildsammlungen, wie die Trennwand zwischen Ost und West einmal aussah.
Den genauen Verlauf der Berliner Grenze zeigt hingegen eine ebenfalls penibel bebilderte Karte unter www.denkmallandschaft-berliner-mauer.de. Die Lage von Grenzpfosten, Zäunen, Gebäuden und Sperrgebieten wird im Satellitenbild fotografisch genaustens dokumentiert. Die Website mauerweg.com schlägt passend dazu Routen vor, nach denen die User den Mauerweg abschreiten können.
Ein Service, den die Webpräsenz der Stadt Berlin ebenfalls anbietet. Unter www.berlin.de/mauer werden außerdem Denkmäler aufgelistet, wichtige Orte benannt und Museen empfohlen. Im Vergleich zu diesem recht umfangreichen Angebot gleicht die Sonderseite "20 Jahre Mauerfall" eher einer ausformulierten Linksammlung. Eine Verknüpfung führt die User direkt auf www.chronikderwende.de, eine Adresse, unter der sich der RBB den Geschehnissen im Herbst 1989 widmet. Neben Bild-, Schrift- und Tondokumenten rund um Montagsdemonstrationen, Reiseregelungen und Umtauschkursen finden sich hier auch Informationen, die vielleicht nicht staatstragend, aber durchaus unterhaltsam sind: So führte am Tag des Mauerfalls der 1. FC Magdeburg die Tabelle der DDR-Fußball-Oberliga an, während der Westen zu Kaomas "Lambada" die Hüften schwang. Der gemeinsame Wetterbericht sagte Sprühregen vorher - von abendlichem Freudentaumel war noch keine Rede.
Der ist beim "Fest der Freiheit", dessen Veranstaltungsplan unter www.mauerfall09.de einsehbar ist, am 20. Jahrestag der Maueröffnung hingegen fest eingeplant: Mit Livemusik und dem Sturz von knapp 1.000 zwei Meter hohen Dominosteinen erinnert Deutschland am 9. November an den großen Tag. Einige der Styroporkunstwerke können bereits unter www.berlintwitterwall.com bestaunt werden. Die bunt gestaltete Seite sammelt alle Tweets, die mit dem Hashtag #fotw bei Twitter gepostet wurden und sich dem "Fall of the Wall" widmen. Doch trotz aller aufwendigen Vorbereitungen, bunter Veranstaltungen und dem allgemeinen medialen Tamtam, dass um das Freudenfest betrieben wird, dürfte für die Deutschen eine einfache Tatsache viel wichtiger sein: dass sie nun gemeinsam feiern können. |
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