München (dpa) - Die Diskussion um Gratis-Journalismus im Internet ist auch bei den 23. Medientagen München zentrales Thema. Der Präsident der Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, forderte ein Umdenken von Anbietern und Nutzern.
Auf Dauer sei es nicht möglich, kreative und schöpferische Leistung zu generieren, wenn sie nicht entsprechend honoriert wird. «Man kann nicht die Mehrfachverwertung einfach zum Prinzip machen», sagte Ring.
Die von der BLM organisierten 23. Medientage München (28. bis 30. Oktober) stehen unter dem Titel «MUT - Medien und Transformation». Medienmogul Rupert Murdoch ist international einer der Verfechter für ein Ende der Gratis-Nachrichten im Internet, auch deutsche Verlage machen sich zunehmend für Formen eines Leistungsschutzrechtes stark.
Ring ging zudem erneut mit den Internet-Angeboten der öffentlich-rechtlichen Sender und ihre Verweise darauf im laufenden Programm darauf ins Gericht. «Jedes neue digitale Programm der öffentlich-rechtlichen Medien hat Auswirkungen auf die Privaten», erklärte der BLM-Präsident. Die Rundfunkanstalten seien mit knapp 7,6 Milliarden Euro an Einnahmen aus Gebühren und Werbung in einer komfortablen Situation, dagegen müssten die Privaten sehen, wo sie bleiben.
Für Diskussionsstoff sorgt daher derzeit vor allem der im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag festgeschriebene sogenannte Drei-Stufen-Test, mit dem geprüft wird, ob die Online-Angebote der Rundfunkanstalten dem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechen. Die BLM habe dazu einen Leitfaden in Auftrag gegeben, was bei der ARD auf massive Kritik gestoßen sei. «Uns wurde das Recht abgesprochen, uns zu Wort zu melden», sagte Ring. In Gesprächen an diesem Wochenende wolle man aber versuchen, zu gemeinsamen Lösungen zu kommen.
Die aktuelle Wirtschafts- und beginnende Medienkrise hat zudem den Kampf um Erlösquellen und Werbeeinnahmen zwischen öffentlich- rechtlichen und privaten Medien weiter verschärft. Dabei kamen auch seit Jahren gestellte Forderungen, die Werbung etwa zunächst bei Radioprogrammen der ARD-Sender stärker zu beschränken, erneut auf den Tisch. «Wir sehen uns als Sachwalter des Dualen Systems», sagte Ring.
Großen Nachholbedarf sieht der BLM-Präsident zudem bei den neuen Digitalradio-Standards DAB und DMB, die bisher in Deutschland nicht energisch genug vorangebracht oder sogar ausgebremst worden seien. «Es wird immer klarer, dass sich DAB/DMB in Europa zum einheitlichen Standard entwickelt. Wenn wir so weitermachen, haben wir in Deutschland die Entwicklung verschlafen», warnte Ring. Um bei dem Thema weiterzukommen, würden die Kapazitäten jetzt bundesweit von den Landesmedienanstalten ausgeschrieben. «Ich bin überzeugt, wenn wir ausschreiben, wird Schwung in die Sache kommen.» |