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Internet-Käufe über EU-Grenzen scheitern meist


22.10.2009
Funktionierender Binnenmarkt für Online-Handel noch weit entfernt - 60 Prozent nicht erfolgreich

Verbraucher scheitern beim Online-Shopping innerhalb der EU meist an den Landesgrenzen. Nach einer Untersuchung der Europäischen Kommission sind nur 39 Prozent aller grenzüberschreitenden Kaufversuche erfolgreich. Dies sorge "für viel Frust bei den Europäischen Bürgern, die Besseres verdient haben", sagte Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva am Donnerstag in Brüssel. In den meisten Fällen hätten Online-Händler entweder gar nicht in das gewünschte Land geliefert oder keine angemessene Form der grenzüberschreitenden Bezahlung angeboten.

"Europa kann es sich nicht erlauben, den Zug des Internet-Handels zu verpassen"

"Europa kann es sich nicht erlauben, den Zug des Internet-Handels zu verpassen", sagte Kuneva bei der Vorstellung der Testergebnisse. Zwischen 2006 und 2008 sei der Anteil der Online-Käufer von 27 auf 33 Prozent der EU-Bevölkerung gestiegen. Der grenzübergreifende Handel habe in dieser Zeit aber stagniert. Dabei könnten Verbraucher bei Käufen im Ausland Geld sparen und von einer größeren Auswahl profitieren.

Laut der Studie haben Internet-Käufer aus Deutschland durchschnittlich viele Probleme beim Handel über EU-Grenzen hinweg. Demnach scheiterten über 60 Prozent aller Versuche, in einem Online-Shop eines anderen EU-Staates einzukaufen. Am schwersten haben es demnach die Bürger der beiden jüngsten EU-Mitgliedsstaaten, Rumänien und Bulgarien. Drei Viertel aller Kaufversuche aus diesen Ländern blieben erfolglos. Für die Studie wurden den Angaben zufolge 100 gängige Produkte wie Fotoapparate, Bücher oder Kleidung ausgewählt und rund 11.000 Test-Bestellungen ausgeführt. "In 60 Prozent der Fälle klappte es nicht, da der Händler das Produkt nicht in das Land des Verbrauchers liefert oder keine geeigneten Möglichkeiten für eine grenzüberschreitende Zahlung anbietet", erklärte die Kommission.

Chancen

Kuneva kritisierte, dass im Online-Handel viele Chancen für Verbraucher ungenutzt blieben. In mehr als der Hälfte der Mitgliedsstaaten hätten Kunden 50 Prozent der getesteten Produkte im Ausland um ein Zehntel billiger kaufen können. Viele Produkte waren demnach gerade in kleineren Staaten nicht oder nur deutlich teurer zu haben.

So konnten Verbraucher aus Portugal laut der Studie in mehr als vier von fünf Fällen ein Produkt günstiger im Ausland finden als auf dem heimischen Online-Markt. Die höheren Kosten für den Versand waren dabei bereits enthalten. Das Angebot in Deutschland schnitt vergleichsweise gut ab. Dennoch war mehr als ein Drittel der getesteten Waren im Ausland billiger, ein Viertel sogar um mehr als zehn Prozent.

Die Verbraucherschutzkommissarin forderte, die Regeln des Online-Handels in den einzelnen Mitgliedsstaaten einfacher und einheitlicher zu gestalten. Viele Händler hielten es noch für zu aufwendig oder unsicher, Kunden aus anderen EU-Ländern anzunehmen. "Am Ende dreht sich alles um Vertrauen", sagte Kuneva. Sprachbarrieren sind demnach nicht das hauptsächliche Problem: Drei Fünftel der Händler seien in der Lage, Geschäfte in mehr als einer Sprache abzuwickeln

An vorderster Stelle nannte Kuneva die Einführung einheitlicher Rechte für Verbraucher. Außerdem müssten illegale Praktiken stärker über Grenzen hinweg verfolgt werden. Als drittes forderte die Kommissarin einfache Regeln für Einzelhändler. Derzeit gebe es noch zu viele unterschiedliche Vorschriften über Steuern, Recycling und Urheberrechtsabgaben. (APA/APA)
Quelle: derstandart.at


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