Die internationale Internet-Adressverwaltung ICANN erlaubt künftig auch Top-Level-Domains ohne lateinische Buchstaben. Damit werden auch Internet-Adressen mit chinesischen, japanischen, koreanischen oder arabischen Schriftzeichen möglich.
Wenn Internet-Nutzer aus Ländern wie China oder Ägypten im Internet surfen, kommen sie nicht umhin, für den Aufruf von Webseiten lateinische Buchstaben zu verwenden. Das dürfte sich für einige Internet-Adressen bald ändern: Die internationale Internet-Adressverwaltung ICANN plant die Einführung von nichtlateinischen Top-Level-Domains. Damit wären erstmals auch Internet-Adressen in chinesischer, japanischer, koreanischer oder arabischer Schriftsprache möglich.
Die Änderung soll auf der noch bis Freitag in Seoul stattfindenden ICANN-Konferenz beschlossen werden. "Dies ist eine der aufregendsten Entwicklungen für Internet-Nutzer weltweit seit Jahren", sagte der Chef der Internet-Adressverwaltung Rod Beckstrom zur bevorstehenden Reform. Mehr als die Hälfte der 1,6 Milliarden Internet-Nutzer würden eine Sprache sprechen, die nicht auf dem lateinischen Alphabet basiert.
Registrierung bei der ICANN im November möglich
Die Umsetzung der Änderung gilt als sicher, muss aber noch auf der ICANN-Vorstandssitzung am Freitag durchgewunken werden. Erste Anträge auf neue Top-Level-Domains werden nach Angaben der Internet-Adressverwaltung dann im kommenden Monat entgegengenommen. Eine Freischaltung der registrierten Adressen erfolgt aber erst Mitte 2010.
Im Juli hatte die Verwaltungsbehörde der europäischen Top-Level-Domain ".eu" EURid die Nutzung von Schriftzeichen aller 23 Amtssprachen der Europäischen Union angekündigt. Für Internet-Adressen mit der Endung ".eu" sind damit auch kyrillische und griechische Schriftzeichen zugelassen. Bulgaren, Griechen und Zyprioten können dann ".eu"-Domains in ihrer eigenen Sprache registrieren. Die Registrierung ist ab dem 10. Dezember möglich.
Update vom 18. November: ICANN nimmt Anträge für nichtlateinische Top-Level-Domains entgegen
Seit Dienstag, dem 18. November, nimmt die internationalen Internet-Adressverwaltung ICANN auch Anträge für Länderdomains in nichtlateinischer Schrift entgegen. Das gestattet Kunden erstmals, Domainnamen in Russisch, Japanisch oder Arabisch zu reservieren. Nach Aussagen der ICANN sind in den ersten Stunden des Registrierungsprozesses sechs Anmeldungen in drei verschiedenen Sprachen eingetroffen. Die Behörde schaltet die Adressen allerdings erst im Laufe des nächsten Jahres frei. |