In L.A. haben die Redmonder gezeigt, wie sie auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren wollen: IE 9 soll den Rückstand im Browsermarkt aufholen. Outlook bekommt eine Integration in soziale Netzwerke. Azure bietet PHP und MySQL.
Auf seiner jährlich stattfindenden Professional Developers Conference (PDC) lüftet Microsoft traditionsgemäß bisher unter Verschluss gehaltene Informationen zu neuen Produkten, ganz gleich, ob sie zur Softwareentwicklung dienen oder nicht. Auch dieses Jahr verriet Microsoft interessante Details und stellte zeitgleich neue Pre-Releases ins Netz. Neuigkeiten gab es vor allem zu Internet Explorer 9, Office 2010 und Windows Azure.
Solche Informationen sind bei Microsoft jedoch immer mit Vorsicht zu genießen. Microsoft ist bekannt dafür, dass es neue Produkte mit vielen Features verspricht, dann aber einen Großteil der Versprechungen nicht einhält. Schon oft hat Microsoft kurzfristig lange angekündigte Funktionen wieder herausgenommen und in einen nicht näher bezeichneten "Zeitrahmen" verschoben.
Das hat durchaus einen Grund: Dieser Marketingstrategie verdankt Microsoft seinen Aufstieg zum Weltmarktführer für PC-Software. Als sich Microsoft 1992 von seinem bisherigen Partner bei der Betriebssystementwicklung IBM trennte, konnte es nur mit einer Betaversion von Windows NT als Nachfolger für das nicht mehr zeitgemäße MS-DOS aufwarten.
Windows NT benötigte als Minimalanforderung 16 MByte Speicher, während OS/2 von Konkurrent IBM mit 2 MByte eine passable Performance lieferte. Da Windows NT auf damaligen Mainstream-Desktops nicht zum Laufen gebracht werden konnte, versprach Microsoft für ein Kürze erscheinendes Betriebssystem mit dem Namen "Chicago" das Blaue vom Himmel herunter.
Diese Strategie hielt Microsoft drei Jahre durch, bis schließlich Windows 95 auf den Markt kam, das sich als aufgebohrtes Windows for Workgroups 3.11 auf der Basis von MS-DOS herausstellte. Dennoch sank OS/2 in die Bedeutungslosigkeit ab, und Microsofts Strategie der nicht gehaltenen Versprechungen war erfolgreich. Bis heute verfährt Microsoft nach diesem Prinzip.
Internet Explorer 9 soll Marktanteile zurückholen
Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass Microsoft Internet Explorer 8 (IE 8) herausgebracht hat. Dennoch überraschte Microsoft auf der PDC mit der Ankündigung von IE 9 für 2010. Das ist nicht verwunderlich, denn IE 8 trug nicht gerade dazu bei, den langsam aber stetig schwindenden Marktanteil zu stabilisieren.
Microsoft kündigte IE 8 als den schnellsten Browser auf dem Markt an und erklärte das vor allem mit der schnellsten aller Javascript-Engines. Doch schnell stellte sich heraus, dass IE 8 der langsamste aller Browser ist, wenn Javascript- und AJAX-Anwendungen ausgeführt werden.
Die Javascript-Engine von IE 8 ist tatsächlich sehr schnell. Allerdings gilt das nur, solange keine Inhalte auf dem Bildschirm dargestellt werden, was für einen Browser eine recht ungewöhnliche Betriebsart ist.
IE 8 benutzt nach wie vor das GDI-Interface, um 2D-Inhalte anzuzeigen. Dieses Interface bietet bis einschließlich Windows XP eine akzeptable Geschwindigkeit. In Windows Vista wurde GDI ohne Hardwarebeschleunigung ausgeliefert. Das hat sich mit Windows 7 zwar geändert, jedoch ist GDI in Windows 7 nur noch ein Legacy-API, um kompatibel zu "alten" Anwendungen zu sein.
Wer Performance braucht, muss Direct2D verwenden, das in Windows 7 standardmäßig ausgeliefert wird und inzwischen auch zu Vista portiert ist. Die Entwicklung eines neuen 2D-API wurde notwendig, um mit der Konkurrenz, etwa Apples Quartz-Schnittstelle, mithalten zu können. Mit IE 9 entwickelt Microsoft einen Browser, der die Direct2D-Schnittstelle nutzt. Das bedeutet auf jeden Fall, dass IE 9 nicht mehr auf Windows XP läuft.
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