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Der Zeitplan für neue Internet-Adresszonen wackelt

27.10.2009
Der Zeitplan für neue Top Level Domains (TLDs) wackelt erneut. Beim Treffen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) in Seoul ließ Vizepräsident Kurt Pritz wissen, dass man noch einen weiteren, vierten Entwurf der Bewerberrichtlinien brauche, bevor man das Verfahren abschließen könne. Es seien noch verschiedene Fragen zu klären, meinte ICANNs neuer Präsident Rod Beckstrom. Einer der Hauptgründe für das Hin und Her ist der hartnäckige Widerstand einiger großer Markenrechtsvertreter.

Nach jahrelangen Diskussionen hatte die ICANN Ende Juni 2008 grünes Licht für die Einführung neuer Adresszonen im Netz gegeben. Die ICANN-Direktoren akzeptierten ein Konzept, das das für generische TLDs zuständige Selbstverwaltungsgremium (GNSO) der ICANN erarbeitet hatte. Nach einer ersten Testrunde mit neuen TLDs im Jahr 2000 und einer kleineren zweiten Runde mit TLDs für spezielle Zwecke im Jahr 2004, soll damit ein reguläres Verfahren für die fortgesetzte Beantragung neuer Adresszonen im Stil von .com, .biz, oder .cat etabliert werden, mit dem sich nahezu beliebige Begriffe für Top Level Domains auswählen lassen sollen.

Die potenziellen Bewerber kritisierten nun die neuerliche Verzögerung und forderten, dass die ICANN sich auf ein Datum festlegt. Entgegen dem bisherigen Zeitplan, der einen Bewerbungsstart im zweiten Quartal 2010 vorsah, mochten sich ICANNs Präsident, Rob Beckstrom, und der Vorsitzende des ICANN-Direktoriums, Peter Dengate Thrush, überhaupt nicht mehr festlegen. Selbst Fragen, ob der Termin bis 2011 oder 2012 verschoben werden müsse, beantworteten sie nicht. Dengate Thrush räumte unter anderem ein, dass aus dem technischen Gutachten zur Rootzone hervorgehe, dass man zwar eine riesige Zahl neuer TLDs haben könne, aber nach Ansicht der Experten nicht parallel zum Start des Sicherheitsprotokols DNS Security Extensions (DNSSEC). DNSSEC soll laut einer Absprache zwischen US-Regierung, ICANN und VeriSign Ende des Jahres starten.

Viele der in ICANN vertretenen Regierungen unterstützen die in einer der ersten Sitzungen des Regierungsbeirats eigens nochmals vorgetragenen Argumente der Markenrechtsvertreter. Sie wollen Nachbesserungen zum Schutz des geistigen Eigentums im Domaingeschäft von ICANN einfordern. Unter anderem wollen die Markenrechtsvertreter ein System durchdrücken, das die rasche Löschung von Domains auf Antrag durch einen Rechteinhaber erlaubt (Uniform Rapid Suspension System, URS). Suzanne Sene, Vertreterin der US-Regierung im Regierungsbeirat der ICANN, erklärte den zuletzt vorgelegten Entwurf der ICANN-Bewerbungsrichtlinien für praktisch überflüssig, da ICANN darin den Großteil der vorgeschlagenen Schutzmechanismen für geistiges Eigentum einfach übergangen habe. Es lohne sich nicht, diesen unvollständigen Entwurf überhaupt zu kommentieren.

Neben dem Markenrechtsproblem äußerten sich Regierungsvertreter in Seoul besorgt darüber, dass geographische Namen nicht ausreichend geschützt werden sollen. Vertreter aus dem Senegal und aus Kenia mahnten, potenzielle Bewerber aus ihren Ländern könnten die geplanten hohen Bewerbergebühren (185.000 US-Dollar plus eventuelle Zusatzgebühren) nicht aufbringen.

Gleichzeitig gab es in Seoul von Regierungsseite auch Vorschläge, wie man die Erweiterung der DNS-Rootzone doch noch in einer überschaubaren Zeit angehen könne. Frankreichs Vertreter Bertrand de la Chapelle riet der ICANN erneut zu einem gestaffelten Start. Mit dem für 16. November geplanten Start von nicht-lateinischen Länderdomains geht ICANN einen ersten Schritt in diese Richtung. Gastgeber Korea gehört zu den Bewerbern um eine Länderadresszone in der koreanischen Schrift Hangul. In ähnlicher Weise könnten in einem nächsten Schritt auch nicht-kommerzielle TLDs, Städte-TLDs oder schlichte Firmen-TLDs zugelassen werden, fordern deren Bewerber. Sie sollten nicht durch den ewigen Hick-Hack um Markenrechte blockiert werden.
Quelle: heise.de


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