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Digitale Spürhunde für Datenfriedhöfe


20.11.2009
Wie Sie Dokumente, Musik und Fotos auch nach Jahren und unter tausenden Dateien schnell wieder finden.

«Irgendwo auf meinem PC» lautet die resignierte Antwort auf viele wichtige Lebensfragen. Wo sind die Fotos von der letzten Klassenzusammenkunft, die Steuererklärung von 2004, das E-Mail mit der neuen Adresse von Paul oder das Kuchenrezept von Tante Rosa?

Je digitaler unser Alltag wird, desto mehr Daten müssen verwaltet werden. Heute werden nicht nur Rechnungen papierlos verschickt, sondern auch Liebesbriefe und Rezepte. Die Familienbande und Freundschaften werden vermehrt via E-Mail gepflegt, statt Geburtsanzeigen und Ferienfotos erhält man einfach «digitale Beilagen».

Wer diszipliniert ist, verwaltet auf seinem PC verschachtelte und fein säuberlich beschriftete Dateiordner. In diese kanalisiert er penibel die tägliche Datenflut. In der Praxis haben aber viele einfach einen Ordner «Posteingang» mit Hunderten Mitteilungen oder einen Ordner «Fotos», in dem Tausende Bilder auf Sortierung warten. Der PC hat sich vom digitalen Helfer zum Datenfriedhof gewandelt, in dem man mausklickend nach Dateien buddelt.

Microsoft und Apple mit integrierter Suchfunktion

Glücklicherweise kann man aber digitale Spürhunde auf die Suche nach Informationsschätzen schicken. Die Betriebssysteme von Apple und Microsoft bieten dazu integrierte Suchfunktionen. Bei Windows kann man beispielsweise nach einem Klick auf den Startknopf in das Suchfenster Bruchstücke eines Dateinamens eintippen.

Sofort beginnt der Computer damit, die ganze Festplatte nach passenden Dateien zu durchstöbern. Wer also seine Rechnungen immer als «Rech?» benennt, findet seine Belege so recht schnell wieder.

Primitive Suchfunktionen arbeiten wie Menschen. Das heisst, sie lesen einen Dateinamen nach dem anderen und vergleichen ihn mit dem Gesuchten. In der Praxis würde dies zu lange dauern.

Deshalb legt sich der PC eine Liste mit allen Dateinamen an, sortiert diese alphabetisch und arbeitet dann mit diesem Index. Während man bei einem Buchindex erfährt, auf welcher Seite das Gesuchte ist, verweist ein Dateiindex auf den Ordner für eine bestimmte Datei.

Der PC liest alle Dokumente

Die Suchfunktionen von Windows und Mac OS finden aber Dateien nicht nur aufgrund ihres Namens, sondern teilweise sogar über die darin gespeicherten Texte. Sie listen beispielsweise alle Dokumente auf, in denen die Worte «Rezept» und «Apfel» vorkommen.

Auch diese Suche wird durch einen Index unterstützt. Dazu «liest» der Rechner bei Untätigkeit im Hintergrund sämtliche Textdokumente und nimmt alle darin vorkommenden Wörter in der Indexliste auf. Die Suchfunktion findet deshalb das Apfelkuchenrezept innert Sekunden und verweist dazu auf die Datei «Omas-Küchtentipps.doc».

Auf dem PC googeln

Die Suchfunktionen sind aber eingeschränkt. So findet Windows beispielsweise E-Mails nur, wenn man für deren Verwaltung auch Produkte von Microsoft verwendet.

Noch umfassender suchen Programme unabhängiger Dritthersteller. Bekannt ist beispielsweise die kostenlose PC-Suchsoftware von Google. Sie indiziert neben E-Mails in Outlook auch jene des Postverwalters Thunderbird.

Einen ähnlichen Umfang bietet auch das ebenfalls kostenlose Copernic Desktop Search, bei dem sich gefundene Dateien einfacher filtern lassen. Der Schweizer Bernhardiner unter den PC- Suchprogrammen ist Hulbee. Will man mit der helvetischen Lösung auch E-Mails finden, ist allerdings die kostenpflichtige Version nötig.

Alle Fotos mit Grosi finden

Während sich Dateien, die Texte enthalten, noch einfach finden lassen, wird es bei Musik und Bildern schwieriger. Für Musik gibt es spezielle Verwalter wie Foobar2000 oder Picard.

Die Programme «hören» sich einzelne Musiktitel an und berechnen dabei einen Code. Die Songs werden dann mittels der Internetdatenbank von Musicbrainz.org identifiziert.

Schwieriger ist die Inhaltssuche bei Fotos. Moderne Kameras versehen zwar jedes Bild mit einem Aufnahmedatum, aber über den Bildinhalt liegen kaum Informationen vor.

Spezielle Bildverwaltungsprogramme lösen aber auch dieses Problem. Die kostenlosen Programme PFind (www.pfind.de) und ImageSorter (www.pixolution.de) können ähnliche Bilder aufgrund von Form und Farbe finden und sortieren die Bildersammlung entsprechend.

Noch cleverer sind Bildverwalter mit Gesichtserkennung. Sie durchsuchen sämtliche Bilder nach Gesichtern und bitten den PC- Nutzer, jede Person einmalig mit Namen zu identifizieren.

Der PC ordnet dann automatisch alle Fotos, auf denen dieses Gesicht vorkommt, diesem Namen zu. iPhoto auf Apple-Rechnern oder das kostenlose Picasa 3.5 auf Windows können dadurch also alle Fotos mit der Grossmutter einfach auflisten.
Quelle: tagesanzeiger.ch


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