Ulm. Ob im Internet surfen oder Geld überweisen: Das Geschäft mit Internet-Handys wie Blackberry oder iPhone boomt. Doch Nutzer müssen einiges beachten, damit die mobilen Alleskönner auch sicher sind.
Erst war es der Browser Internet-Explorer, jetzt folgen die E-Mail-Programme des Software-Giganten Microsoft: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt vor Outlook, Outlook Express und Windows Mail. Deren Verwendung stelle "ein hohes Sicherheitsrisiko" dar.
In einer mobilen Gesellschaft sind von solchen Warnungen nicht nur Computer betroffen, sondern auch Internet-Handys (Smartphones) wie Blackberry oder iPhone. "Diese kleinen PCs sind ebenso mit einem Betriebssystem ausgestattet und können ständig online sein", sagt Fabian von Keudell vom Computer-Magazin Chip. Deshalb gelten die gleichen Sicherheitsregeln wie für den PC-Gebrauch.
Das sieht Jens Heider vom Fraunhofer Institut für sichere Informationstechnologie (SIT) ähnlich. Verbrauchern rät er: "Misstrauisch sein!" Die größte Gefahr stelle die Installation von nicht vertrauenswürdigen Anwendungen dar. Im Apple-Online-Shop gibt es mehr als 100 000 Erweiterungen, so genannte "Apps" (kurz für applications). "Wir prüfen jede einzelne darauf, ob sie technisch einwandfrei ist", sagt Georg Albrecht von Apple Europe. Somit könne das Sicherheitsniveau für alle Kunden entscheidend erhöht werden.
SIT-Experte Heider bestätigt das. Doch im Internet tummele sich andernorts viel Schadsoftware wie Viren, Würmer oder Trojaner. Damit lassen sich Daten ausspionieren, verändern oder löschen. In Australien infizierte der Wurm "Ikee" einige Hundert iPhones. Ein 21-jähriger Hobby-Programmierer hatte ihnen befohlen, das Display-Hintergrundbild zu ändern. Plötzlich tauchte dort ein britischer Sänger aus den 80er Jahren auf. Eine spätere Version des Schädlings änderte eigenmächtig das Passwort in "ohshit", zu deutsch: "oh Mist".
Was zunächst harmlos anmutet, kann böse enden - wenn statt Technik-Freaks Kriminelle am Werk sind. Das wird immer wahrscheinlicher, weil es mehr potenzielle Opfer gibt: Apple hat 2008 weltweit 13,7 Mio. und im ersten Halbjahr 2009 weitere 9 Mio. iPhones verkauft. Beim Branchenprimus Blackberry vom Hersteller "Research in Motion" waren es alleine im dritten Quartal 2009 rund 8,5 Mio. Geräte. Die Nutzer füttern diese mit geschäftlichen Kontaktdaten, vertraulichen Mails oder Zugangsdaten für Netzwerke. Gerade in Unternehmen, die für Kriminelle ein viel interessanteres Ziel als die Privatleute seien, kommen immer mehr Smartphones zum Einsatz. Blackberries hat das SIT dafür schon getestet. Urteil: wirksamer Schutz.
Laut des US-Marktforschungsunternehmens Abi Research werden Unternehmen "die treibende Kraft eines Booms bei Smartphone-Security-Lösungen" sein. Bis 2014 erwartet es einen 4-Mrd.-Dollar-Markt.
Generell seien Smartphones also "relativ sicher", sagt Chip-Redakteur von Keudell. Trotzdem solle man das Passwort für Bankgeschäfte, die Pin, nicht als Datei auf dem Telefon ablegen. Und: "Um das Mobiltelefon mit anderen Mobilfunk-Anbietern verwenden zu können, besorgen sich viele Nutzer eine spezielle Software." Hacker verbreiten diese im Internet. Damit könne man sein iPhone - bedingt durch eine Lücke in der Betriebssoftware des Gerätes - "freischalten". Aber: Die Schutzmechanismen des Systems werden so ausgehebelt, das Tor für Eindringlinge öffnet sich.
Inzwischen arbeitet der umstrittene 21-jährige "Ikee"-Programmierer übrigens bei einem australischen Unternehmen namens "Mogeneration" - es entwickelt Anwendungen für das iPhone. |