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Genossenschaft Denic verteilt umstrittene Internet-Adressen


05.11.2009
Seit es das Internet gibt, waren in Deutschland nur Namen für Internetadressen mit mehr als drei Buchstaben vor dem .de zulässig. Das ist seit dem 23. Oktober anders. Beim Rennen um die begehrten kurzen Adressen wurden auch einige Kürzel vergeben, die mit dem Nationalsozialismus in Verbindung stehen, darunter ss.de, kz.de oder hj.de. Zuständig für die Vergabe der Adressen, in der Fachsprache Domains genannt, ist die eingetragene Genossenschaft Denic. Sie wird von etwa 300 Firmen getragen, die für Kunden Internetadressen verwalten. Dazu gehören beispielsweise die Deutsche Telekom, Telefonica Deutschland oder AOL Deutschland.

Während bei Kfz-Kennzeichen viele Zulassungsbehörden keine derartigen Kombinationen vergeben, sieht die Denic keine Veranlassung, etwas dagegen zu unternehmen. Es sei weder Aufgabe der Denic noch wünschenswert, eine inhaltliche Kontrolle über Domain-Namen auszuüben, so Geschäftsführerin Sabine Dolderer. Entsprechende Inhalte vorausgesetzt, könnten solche Domains sogar der Aufklärung dienen.

Das haben die neuen Inhaber aber offenbar gar nicht vor. So versichert beispielsweise ein Unternehmer, der sich die Domains ss.de und ah.de gekauft hat, dies habe nichts mit rechtsradikalen Aktivitäten zu tun. Der Mann betreibt im thüringischen Sondershausen einen Internethandel. Auch in Zukunft werde es dabei ausschließlich um die Vermarktung von Konsumartikeln gehen. Er habe sich bei der Vergabe der Adressen auch um viele andere Namen beworben, zufällig aber - neben einigen anderen - auch ss.de und ah.de erhalten. "Wir hatten einige andere Adressen mit viel höherer Priorität versehen als die", sagte er der Süddeutschen Zeitung, "das war purer Zufall, da steckt kein Konzept dahinter". Ähnliche Beweggründe machen auch andere Inhaber von Domains mit Nazi-Konnotation für sich geltend.

Vor einem Jahr hatte der brandenburgische Verfassungsschutz davor gewarnt, dass Rechtsradikale bestimmte Kombinationen von Buchstaben und Ziffern auf Autokennzeichen nutzten, um ihrer Gesinnung Ausdruck zu verleihen. Helmut Martin-Jung
Quelle: sueddeutsche.de


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