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Goldgräber und (miese) Geschäftemacher


21.10.2009
In Deutschland herrscht Goldgräberstimmung auf dem Domainmarkt. Grund dafür ist eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes Frankfurt, wonach die Volkswagen AG die Domain vw.de registrieren darf. Die deutsche Domain-Verwaltung Denic verweigerte bisher, wie auch ihr Schweizer Pendant Switch, die Registrierung von ein- und zweistelligen Domainnamen mit Hinweis auf ihre Registrierungsbedingungen und auf die RFC 1535 (Request for Comments), wonach in der DNS-Server-Software ein Fehler vorhanden sei. Demnach sei es problematisch, wenn Zeichen, die einer Domain-Endung entsprechen, als Second-Level-Domain registriert werden (also etwa net.com, eu.de oder at.ch). Nicht problematisch war es aber offenbar, die Domain ch.ch dem Bund zur Verfügung zu stellen. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Aufgrund des Urteils hat die deutsche Denic nun angekündigt, dass ihre 274 Mitglieder (unter denen vor allem Hosting-Provider sind) ab dem 23. Oktober Anträge zur Registrierung von ein- und zweistelligen .de-Domains einreichen können - und zwar nach dem Prinzip "First come, first served". Klingt einfach, ist es aber nicht. Jeder Provider darf nämlich nach einem Rotationsprinzip nur vier Anträge pro Minute einreichen. Und das wiederum sorgt für Goldgräberstimmung und lockt die Geschäftemacher aus ihren Verstecken. Schliesslich gibt es nicht jeden Tag die Gelegenheit, den Kunden ihr sauer verdientes Geld soo einfach aus der Tasche zu ziehen.

So versteigert etwa Domain24 den ersten Registrierungsantrag aus ihrem System auf eBay. Derzeitiger Stand der Gebote: 2'511 Euro. Euserv wiederum verlangt für die erfolgreiche Registrierung eines, eehm, "Premium-Domainnamen" 10'000 Euro. Immer noch ein Klacks im Vergleich mit der geschäftstüchtigen Knipp Medien GmbH. Eine Ein-Ziffern-Domain wollte man sich dort noch gestern mit 50'000 Euro vergolden lassen. Dass das etwas gar viel ist, hat man in der Zwischenzeit wohl auch dort schon bemerkt und vergibt eine solche Domain nun zum Spottpreis von 30'000 Euro. Trotzdem weiss auch der hinterletzte Buchhalter, dass es sich auch mit diesem Preis noch rechnet. Schliesslich zahlen Denic-Mitglieder nur rund 2 Euro pro registrierte Domain.

Die Firma media:Webline ging noch einen Schritt weiter. Sie wollte über eBay ihren Denic-Mitgliedzugang versteigern. Doch zumindest dieses Geschäft ging gründlich in die Hose. Obwohl der Höchstbietende 73'047 Euro bot, hat er noch nicht einmal den Mindestpreis erreicht, den die Firma mit der inzwischen beendeten Auktion erreichen wollte.

"Sonderaktion!" schreit auch die Domainbörse Sedo. Dort kann man bereits heute Gebote auf ein- und zweistellige .de-Domains abgeben. Und das wird fleissig genutzt: Für tv.de sind bereits 42'000 Euro, für pc.de 41'000 Euro geboten. Sedo will über geheimnisvolle "Partner-Registrare" an die Domains gelangen und die ergatterten Domainnamen an die Höchstbietenden weiterverkaufen. Und man rechnet mit einem lukrativen Geschäft. Geschäftsführer Schuhmacher schätzt gegenüber heise.de, dass allein via Sedo zehn Millionen Euro für den Kauf neuer Domains ausgegeben werden.

Schöne neue Welt. Ob Autonummernschilder, Funkfrequenzen oder Domainnamen - alles wird versteigert und zu viel Geld gemacht. Die weniger Vermögenden dürfen sich mit Brosamen, oder halt 20-stelligen Domainnamen begnügen.

Da wenden wir uns doch besser noch etwas spassigerem zu: Denken Sie sich eine gute Ausrede aus, falls Sie vom Mann ihrer Geliebten erwischt werden. - Kennen Sie das arme I im Pixar Logo? Endlich ist bekannt, was aus dem I - und der Lampe - geworden ist. - Und wenn Sie mal nicht mehr wissen, ob ihr Computer noch läuft, hilft Ihnen diese Seite sofort weiter.
Quelle: inside-it.ch


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