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Gute Geschäfte mit KZ.de


02.11.2009
Bei deutschen Domain-Händlern klingeln die Kassen: Seit einer Woche kann jeder Adressen anmelden, die aus zwei Buchstaben bestehen. Das gilt auch für einschlägige Nazi-Kürzel, die sofort vergriffen waren. Die Domain KZ.de ist zugepflastert - mit Werbung für Kfz-Versicherungen und Mundwasser.

In einem Land mit einer so düsteren Vergangenheit wie Deutschland ist auch die Einführung von Kurzadressen bei Internetdomains ein mitunter heikles Thema. Problematisch sind die durch die Nazi-Vergangenheit belasteten Kürzel und die numerischen Codes aktiver Neonazis. Seit einer Woche kann man in Deutschland nun Kurzadressen anmelden, die nur aus zwei Buchstaben bestehen - und natürlich sind HJ.de, SS.de, 88.de oder KZ.de längst vergeben.

"Nach dem ersten Wochenende hatten wir etwa 35.000 neue Domains registriert", sagte Sabine Dolderer, Chefin der Registrierungsstelle für deutsche Top-Level-Domains Denic, der "Berliner Zeitung". Seit dem 23. Oktober registriert Denic auch Domains, die nur aus zwei Buchstaben oder Zahlen bestehen. Dies habe "einen kleinen Hype" ausgelöst.

"Wir haben uns bewusst dazu entschieden, diese Domains zu registrieren. In Kombination mit entsprechenden Inhalten können sie durchaus der Aufklärung dienen", sagt Dolderer zu den Adressen mit Bezügen zu Nazi-Kürzeln. Es sei nicht Aufgabe der Denic "und wohl auch nicht wünschenswert, dass wir eine inhaltliche Kontrolle vornehmen".

Sprich: Was dort eventuell an verfassungsfeindlichen Inhalten auftauchen könnte, wäre dann Sache der Behörden. Aber Nazi-Propaganda ist nicht das einzige Risiko: Das Internet ist nicht nur ein Informations-, sondern auch ein Kommerzraum erster Güte. Und mit eingängigen Adressen lassen sich natürlich auch Geschäfte machen - nicht unproblematisch in einem so empfindlichen Themenumfeld.

Geschäfte mit KZ.de?

Zurzeit sind die potentiell anstößigen Domains bei Domainhändlern geparkt und werden dort bereits teilweise geschäftlich genutzt. So führt KZ.de auf eine Seite ohne nennenswerte Inhalte, die aber mit gesponserten Links regelrecht zugepflastert ist. Für Publikumsverkehr, der sich in diesem Geschäftsmodell in Umsätzen auszahlt, sollen dort neben KZ auch Lockwörter wie Adolf Hitler sorgen - den Rest besorgen Google und Co. Beworben wird ein breites Dienstleistungs- und Warensortiment, vom Mundwasser über ein Hotel in Dachau, Auschwitz-Gedenkstätten-Reisen und eine Himmler-Biografie bis hin zu Autoversicherungen und "Jobben als Model".

Neben dem Missbrauch der eindeutigen Kürzel-Adressen durch Rechtsextreme oder Holocaust-Leugner gehören auch solche profanen Instrumentalisierungen zu den befürchteten Worst-Case-Szenarien. Die Domain ist derzeit beim deutschen Unternehmen NameDrive geparkt, der Betreiber, Inhaber eines Internetcafés an der Ostsee, war zunächst nicht erreichbar.

Namedrive bietet sowohl temporäre als auch mittelfristige Lösungen an, ungenutzte Domains zu Geld zu machen: "NameDrive ermöglicht es Domaininhabern, thematisch passende Werbelinks auf ungenutzten Domainnamen anzeigen zu lassen und somit den bestehenden Webtraffic bestmöglich zu monetarisieren", heißt es in der Selbstbeschreibung auf der Seite. Und weiter: "NameDrive bestückt Landingseiten mit Premium-Googlewerbung und mit gezielten Suchbegriffen. Auf diese Weise werden die am besten performenden Werbelinks in der richtigen Sprache mit der passenden Werbebotschaft auf Ihren Domains eingeblendet."

Update: Nachfrage beim Betreiber

Nachdem eine Kontaktierung am Montagvormittag zunächst scheiterte, meldete sich Yves M., Betreiber von KZ.de am frühen Nachmittag bei SPIEGEL ONLINE: "Böse Absichten" verfolge er keineswegs mit der Seite, auf der so kontrovers vermarkteten Seite habe er die Domain erst geparkt, nachdem es zahlreiche Rückfragen gegeben habe. Das kontroverse Potential des KZ-Begriffes hat M. nach eigener Aussage unterschätzt.

Registriert habe er die Adresse Anfang letzter Woche, nachdem er durch einen Newsletter auf die Möglichkeit zweistelliger Domainbuchungen aufmerksam geworden sei. Daraufhin habe er sich angesehen, was er für Kunden habe und was für die interessant sein könnte "und so 30 bis 40 Domains" durchprobiert. KZ.de dachte sich M. demnach als Kürzel für "Kontaktzentrum oder Ähnliches", das massive Echo auch seitens der Medien habe ihn überrascht.

Überrascht zeigte sich M. auch über die Werbung und die verwandten Suchbegriffe, die der von ihm beauftragte Domain-Parkservice derzeit einsetzt. "Ich hab gesehen, dass da KfZ-Werbung drauf war, irgendwelche Gedenkservice und eine Biografie", aber dass da "auch Adolf Hitler steht, habe ich bisher nicht gesehen".

Prinzipiell wolle er mit der Domain "Geld machen! Also Verkauf (aber nur, wenn der Käufer nachweislich nix Blödes damit vor hat), Vermietung oder ein Webportal". Sein Kunde, für den die Kürzel-Adresse geeignet gewesen sei, habe sich aber inzwischen dahingehend geäußert, dass er sich vorstellen könne, die Domain nicht zu nutzen, wenn "da einer ein schönes Projekt vorhat".

Ein prinzipielles Problem hat M. mit der sogenannten political correctness: "Ich habe selber einen ethnischen Hintergrund und trotzdem nervt mich übertriebene political correctness - Leute anpöbeln, weil Sie auf Behindertenparkplätzen stehen, obwohl reichlich normale und behinderten Parkplätze frei waren, Negerküsse nicht mehr so zu nennen oder aus nem Zeltlager eine Zeltfreizeit zu machen." Es gäbe schließlich Dinge, die man mit "KZ" abkürzen könne.

Was richtig ist, in der politischen wie geschäftlichen Kultur in Deutschland aber aus guten Gründen gemeinhin vermieden wird.

Kurzadressen: Legitim und praktisch

Die Einführung der kurzen Adressen in Deutschland geht auf eine Klage von Volkswagen - vulgo: VW - zurück. Domains aus zwei Buchstaben waren traditionell nicht vorgesehen, "weil man dachte, man könnte die vielleicht noch mal brauchen für eine Reorganisation des Internets", sagte Dolderer. "Man war sich am Anfang einfach nicht sicher, ob ein Netz mit so vielen Adressen überhaupt technisch funktioniert." Dies habe sich mittlerweile gezeigt.

Diskutiert werde derzeit jedoch kontrovers die Einführung neuer Top-Level-Domains wie .berlin für Berliner Unternehmen. "Das wird uns auch noch eine Weile beschäftigen", sagt Dolderer. Mittlerweile gibt es mehr als 13 Millionen Domains mit der Endung .de, diese ist damit nach .com die weltweit zweithäufigste Endung, noch vor .cn für China.
Quelle: spiegel.de


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