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ICANN – neue TLDs verzögern sich weiter


17.11.2009
Die Internetverwaltung ICANN hat sich von einem verbindlichen Fahrplan zur Einführung neuer Top Level Domains verabschiedet: anlässlich des Meetings in Seoul beschloss der Vorstand, die weitere Planung vom Fortschritt der Community abhängig zu machen.

Die neuen generischen Top Level Domains kommen und spätestens im 2. Quartal 2010 fällt der Startschuss für die Bewerbungen, hatte es noch vor dem Meeting geheißen, und mit der Veröffentlichung der dritten Version des Bewerberhandsbuchs schien man auf gutem Weg. Doch einige "überspannende Streitfälle" scheinen noch für erheblichen Diskussionsbedarf zu sorgen. Namentlich nennt ICANN den Markenschutz; hier diskutiert die Internet-Verwaltung die Schaffung eines IP Clearinghouse (also einer Datenbank, in der geprüfte Rechte zentral erfasst werden), und einen "Uniform Rapid Suspension"-Prozess als Reaktion auf Rechtsverletzungen. Die für Vergaberegelungen zuständige Generic Names Supporting Organization (GNSO) wird diese Vorschläge nun weiter prüfen. Ebenfalls Sorgen bereitet ICANN, dass bei Öffnung des TLD-Raums auch die Möglichkeit eines Missbrauchs des Domain Name System wächst, kommen doch zum Beispiel zahlreiche neue Registrare und Registries hinzu. Dauerthema bleibt die Sicherheit und Stabilität des Internet, ebenso wie wirtschaftliche Analysen, die den Bedarf an neuen Endungen klären und begründen sollen.

Aufgrund dieser ungelösten Probleme hat sich ICANN entschlossen, kein Datum mehr für die Einführung neuer TLDs zu nennen, sondern dies vom Fortschritt innerhalb der Community abhängig zu machen. Je schneller diese Kernprobleme gelöst sind, desto rascher kommen die neuen Endungen. Aus diesem Grund wird es für das nächste ICANN-Meeting im März 2010 in Nairobi auch eine vierte Version des Bewerberhandbuchs geben, das die Fortschritte berücksichtigt. Doch selbst damit ist nicht Schluss, auch eine fünfte oder gar sechste Version wird bereits öffentlich diskutiert. Um der Ungeduld potentieller Bewerber entgegenzukommen, prüft ICANN ein "expressions of interest"-Verfahren; hierbei können Kandidaten ihre Unterlagen einreichen, so dass sich ICANN ein erstes Bild von potentiellen neuen TLDs und den dahintersteckenden Unternehmen und Ideen machen kann. Zeitlich parallel könnte weiter an der Beseitigung "überspannender Streitfälle" gearbeitet werden, ohne dass zusätzliche Zeit verloren wird.

Auch ansonsten hatte das letzte Meeting in diesem Jahr viel zu bieten. Wie bereits gemeldet, machte ICANN den Weg frei für internationalisierte Top Level Domains; ab 16. November 2009 können sich Domain-Verwaltungen bei ICANN bewerben, wobei zunächst geschätzte 20 bis 30 Länder von diesen neuen Möglichkeiten Gebrauch machen wollen. Erste vollständig in Landessprache registrierbare Domains gibt es voraussichtlich Mitte 2010. Für Grummeln sorgte dagegen die Grundlagenvereinbarung "Affirmation of Commitments" mit der US-Regierung; moniert wurde fehlende Rechenschaftspflichten bei ICANN. Doch anders als bei den neuen TLDs hat die "Affirmation of Commitments" Fakten geschaffen; eine Umkehr des eingeleiteten Liberalisierungsprozesses gilt als ausgeschlossen.
Quelle: domain-recht.de


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