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Technische Probleme störten Domain-Vergabe


31.10.2009
Die Vergabe neuer deutscher Internetadressen verlief nicht ohne Pannen. Ein vertraulicher Bericht beleuchtet jetzt die Vorgänge in der Registrierungsbehörde Denic.

Der Ansturm war gewaltig: Seit vergangenem Freitag gibt es in Deutschland erstmals Domainnamen mit nur einem oder zwei Zeichen, reinen Ziffernfolgen und anderen Kombinationen. Die waren bislang von der deutschen Domain-Registrierungsstelle Denic von einer Reservierung ausgeschlossen – und nun im Angebot. Bereits ein paar Stunden nach der Freigabe durch die Registrierungsstelle waren mehr als 35 000 neue Domainnamen vergeben.

Sechs Millionen Euro geboten

Kein Wunder, denn das Geschäft mit griffigen Internetadressen kann sich lohnen: Auf der Handelsplattform Sedo etwa wurden im Vorfeld die 3000 interessantesten Domain-Namen für rund sechs Millionen Euro meistbietend versteigert.

„Die hohe Anzahl an eingegangenen Domainanträgen belegt die Begeisterung für die neuen Möglichkeiten und zeigt einmal mehr, wie attraktiv .de-Domains sind“, verkündete die Denic-Chefin Sabine Dolderer vor ein paar Tagen stolz. Ihr Fazit: Alles sei prima gelaufen. Man habe sich bemüht, ein faires und transparentes Angebot zu machen und dies auch technisch durchzusetzen. Weitergehende Informationen zum vielfach kritisierten Verlauf der Domainvergabe waren bislang nur den Denic-Mitgliedern sowie deren Mitarbeiter vorbehalten.


25 Seiten brisante Informationen

Das hat sich jetzt geändert: Das auf die Veröffentlichung vertraulicher Dokumente spezialisierte Internetportal Wikileaks hat am Donnerstagabend einen 25 Seiten starken Untersuchungsbericht veröffentlicht, der die Ergebnisse der Einführungsphase sowie der Registrierungsfreigabe schonungslos zusammenfasst.

Die Denic bestätigte FOCUS Online die Echtheit des Dokumentes. Demnach sei der Bericht vor ein paar Tagen an alle Mitglieder versandt worden. „Es ist bedauerlich, dass interne Papiere an die Öffentlichkeit gelangt sind“, sagte Denic-Chefin Dolderer. Nichtsdestotrotz handle es sich bei dem Bericht um eine professionelle Aufarbeitung der Einführungs- und Vergabephase. Sowohl die Mitglieder als auch ihre Mitarbeiter hätten in dieser nicht einfachen Situation gut mitgespielt und den Ablauf trotz aller Kritik und Fehler gut gemeistert.


Mangelndes Know-how der Techniker

Doch warum geht es in dem Bericht? Neben bekannten Informationen wie beispielsweise der Anpassung der Domainrichtlinien enthält das Papier unter anderem auch Details zur Mitgliederbetreuung, eine Auswertung von Presseanfragen sowie eine Übersicht der technischen Probleme sowohl bei der Einführung als auch bei der späteren Domainvergabe.

Und genau hier wird es besonders interessant. Wie die Erstellerin des Berichts schreibt, sei ein Fehler in der verwendeten Mail-Software zur Domainbestellung auf das mangelnde Know-how der Techniker zurückzuführen. Schuld sei vermutlich eine zu geringe Einarbeitungszeit als auch ein zu kurzer Testzeitraum.


Fehler verhinderte Domain-Registrierung

Konkrete Erwähnung finden auch zwei Denic-Mitglieder, die bei der Vergabe am vergangenen Freitag leer ausgegangen sind. „Durch einen Fehler seitens der Registrierstelle war mein Unternehmen von der Domainvergabe quasi ausgeschlossen“, bestätigte René Röhner, Geschäftsführer von Tevo Media aus dem schwäbischen Meitingen, im Gespräch mit FOCUS Online. Deshalb verhandle sein Unternehmen derzeit mit der Denic über eine gewisse finanzielle Entschädigung. Schließlich hätten Tevo-Media-Kunden rund 1500 Domains vorbestellt, und sein Unternehmen hätte keine Chance gehabt, diese erfolgreich zu registrieren. Dass er nach Behebung des Fehlers überraschend doch noch den Zuschlag für eine zweistellige Domain bekommen habe, sei reiner Zufall gewesen, da ein anderer Registrar die Adresse wieder freigegeben habe.

Noch ein bisschen enttäuschter dürfte Hans-Peter Oswald sein. Der Geschäftsführer des Kölner Webhosting-Dienstleisters Secura ist komplett leer ausgegangen, weil die Denic-Technik gestreikt hat. Auf Anfrage wollte sich der Unternehmer allerdings nicht äußern, schließlich sei dies eine vertrauliche Angelegenheit zwischen ihm und der Domain-Vergabestelle.


Rechtliche Einschätzung ist schwierig

„Bei der Registrierung sind technische Schwächen zu Tage getreten, die einzelne Denic-Mitglieder von dem Vergabeverfahren zumindest zeitweilig ausgeschlossen haben“, betont Rechtsanwalt Dominik Boecker, Spezialist für Domainrecht in Köln. Inwieweit sich daraus rechtliche Ansatzpunkte für ein Vorgehen ergeben, sei derzeit noch nicht absehbar.
Quelle: focus.de


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