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Fujitsu: Japanisches Update für Ex-Siemensianer


23.11.2009
Der japanische IT-Konzern stellt sich global auf. Mittelfristiges Ziel: Weltweit will man als IT-Konzern den Sprung aufs Stockerl schaffen. Kooperationen statt Übernahmen – das ist die strategische Leitlinie. Das europäische Joint Venture Fujitsu Siemens Computers, im April von Fujitsu geschluckt, wird mit japanischen Methoden für den Weltmarkt flott gemacht.

München. Der japanische IT-Konzern Fujitsu ist dabei, sich global aufzustellen. Im Gegensatz zur US-Konkurrenz IBM, HP oder Dell, die nach Umsatzerlösen noch vor Fujitsu liegen, wählen die Japaner ihr Heil in Kooperationen. „Wir schlagen den asiatischen Weg ein, der auf Vertrauen und Kooperationen beruht. Wir sind so schneller und flexibler", erklärt Satoru Hayashi, Executive Vice Chairman von Fujitsu dem WirtschaftsBlatt. Die japanische Management-Philosophie soll nun weltweit das neue Leitbild werden. „Die westliche Art von Management ist sehr fordernd, kommandierend und übt viel Druck aus." Von weiteren Übernahmen hält Hayashi zumindest derzeit nicht viel. Weitere Kooperationen stehen aber auf der Agenda.

Die Tochter Fujitsu Computers Europa hatte 1999 mit der Computersparte von Siemens fusioniert zu Fujitsu Siemens Computers (FSC). Siemens hatte sich im Vorjahr aus dem Computergeschäft verabschiedet. Der Hälfteanteil des Joint Venture wurde per 1. April 2009 an den Partner Fujitsu für kolportierte 480 Millionen € verkauft.

Erste Kooperation unter neuer Fahne
Ein erster Schritt in der Kooperationsstrategie wurde jetzt mit dem Speicherhersteller NetApp vereinbart. Gemeinsam mit dem US-Speicherproduzenten wird man neueste Technologie und Softwarelösungen entwickeln, mit denen Speicher und Server kostengünstiger betrieben werden können.

In Japan hat sich die Strategie mit NetApp bewährt, sagt Hayashi. NetApp beliefert seit rund zehn Jahren Fujitsu mit Speicherlösungen, die unter Fujitsu-Marke vertrieben wird. Delikates Detail: NetApp ist gleichzeitig auch ein bevorzugter Partner bei der Firma IBM, der Nummer eins der IT-Konzerne, der die Japaner in den kommenden Jahren Marktanteile abringen wollen.

Schweigen aus Fernost
Dass fernöstliches Schweigen gepaart mit Bescheidenheit gleichzeitig in Mitteleuropa Einzug gehalten hat, zeigt sich daran, dass Fujitsu nunmehr mit Geschäftszahlen geizt. „Die Zahlen können sie sich in Japan, zwölf Stunden mit dem Flugzeug von hier entfernt holen", sagt Kai Flore, Geschäftsführer von Fujitsu Technology Solutions. Der Ex-Siemensianer ist von München aus für 25 Länder mit 14.900 Mitarbeitern zuständig. Fujitsu beschäftigt weltweit insgesamt 186.000 Mitarbeiter in 70 Ländern. Der Jahresumsatz belief sich im Jahr 2008 auf 47,9 Milliarden Dollar (32 Milliarden €).
Jedenfalls wird Fujitsu die Schlagzahl erhöhen. In München soll ein Innovationscenter im Jahr 2010 erreichtet werden.

Flore räumt ein, dass man Marktanteilsverluste bei PCs „nicht schön reden will". Nicht um jeden Preis werde man diese Verluste wieder wettmachen. „Irgendwelche PCs bauen andere. Wir bauen Geräte, die auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten sind", sagt Flore.

Spezialware statt Massenware
Zur Sache kommt Flores, wenn es um die umstrittene Computerfabrik in Augsburg geht, deren Schicksal vor einem Jahr kurzfristig in der Schwebe lag. „Augsburg ist für uns ein wichtiger Standort, und der Standort wird noch bedeutender werden, weil wir dort künftig auch Server bauen werden, die sofort auch auf die Erfordernisse der Kunden angepasst werden", erteilt Flore allen Spekulationen ein klar Absage.
Was man im Hause selbst nicht fertigen könne, wird zugekauft oder mit Partnern entwickelt. „Das bringt uns unzählige Vorteile. Über Nacht sind wir global geworden. Aber es braucht halt ein wenig Zeit, bis alles so läuft, wie man sich es vorstellt", räumt Flore ein. Ein Geständnis, dass der Motor noch nicht so richtig läuft.

Noch gibt es auch etwas Begriffsverwirrung. „Sagen sie einfach Fujitsu, das lässt sich einfacher schreiben", sagt Flore. Dass man die Fertigung in Deutschland braucht, bestätigt auch Fujitsu-Chairman Hayashi: „Wir müssen in der Nähe des Kundens die Geräte zusammen bauen, gerade bei den speziell auf Kundenbedürfnis zugeschnittenen Computern ist das wichtig."

„Balkan-PC" aus der Türkei
In der Türkei hat Fujitsu erst kürzlich eine Produktionsstätte eröffnet. 300 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Pro Tag können bis zu 700 Desktops gebaut werden, erklärt Wolfgang Horak, Fujitsu-Geschäftsführer in Österreich und gleichzeitig verantwortlich für weitere 20 Länder und rund 700 Mitarbeiter in Zentral- und Südosteuropa. In der Nähe von Istanbul werden derzeit nur Geräte für den türkischen Markt gebaut. Dass künftig von dort auch Geräte für die benachbarten EU-Länder oder die Balkanstaaten gefertigt werden, wollte Horak nicht bestätigen: „Wir schauen jetzt erst einmal, wie die Produktion anläuft."

In Österreich beschäftigt Fujitsu 250 Mitarbeiter.
Quelle: wirtschaftsblatt.at


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