Auf dem PC-Betriebssystem Windows wird es in den EU-Ländern künftig eine grössere Auswahl an Internet-Browsern geben. Die EU-Kommission erklärte am Mittwoch in Brüssel Zugeständnisse des weltgrössten Softwarekonzerns Microsoft für rechtsverbindlich und stellte damit ein Wettbewerbsverfahren ein.
(apd) Internet-Surfer in Europa können künftig noch einfacher entscheiden, mit welchem Browser sie das weltweite Web erkunden wollen. Die EU akzeptierte am Mittwoch die Zusage des US-Softwarekonzerns Microsoft, allen europäischen Nutzern seines Betriebssystems Windows die Wahl zwischen verschiedenen Webbrowser zu lassen. Im Gegenzug lässt die EU-Kommission eine Kartellklage gegen Microsoft fallen.
Zwölf Internetbrowser
Microsoft hat sich bereit erklärt, den Windows-Nutzern fünf Jahre lang bis zu zwölf andere Internetbrowser zur Wahl zu stellen. Bisher wurde nur der Microsoft Internet Explorer mit Windows ausgeliefert. Vom März an stellt Microsoft einen Pop-up-Screen bereit, der es Nutzern in Europa erlaubt, den Internet Explorer zu ersetzen oder andere Browser wie Mozilla Firefox oder Google Chrome hinzuzufügen. Laut EU wird auf schätzungsweise 100 Mio. Computern in Europa Mitte März eine entsprechende Botschaft aufpoppen.
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erklärte: «Dies ist ein Weihnachtsgeschenk für mehrere hundert Millionen europäischer Internetnutzer.» Erstmals in der Geschichte des Internets hätten sie nun eine wirklich freie, unkomplizierte Wahl zwischen dem Microsoft-Browser und den Produkten anderer Hersteller. Dies werde auch ein Anreiz für andere Softwarehersteller sein, neue und bessere Browser zu entwickeln.
Entflechtung vom Betriebssystem
Bis anhin war der Microsoft-Browser eng mit dem Betriebssystem verbunden, das auf den meisten Rechnern in Europa läuft. Die Kommission hatte deshalb die Befürchtung, dass die EU-Regeln über den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung verletzt worden sein könnten.
Die EU-Kommission hat wegen der Verknüpfung von Windows mit der Musik- und Video-Software Media Player bereits eine Geldstrafe von fast 500 Mio. Euro gegen Microsoft verhängt. Im Februar 2008 erlegte sie dem Konzern wegen Verstosses gegen diverse Wettbewerbsauflagen ein weiteres Rekord-Bussgeld in Höhe von 899 Mio. Euro auf.
Microsoft noch nicht ganz aus dem Schneider
Microsoft-Anwalt Brad Smith zeigte sich erfreut über die Beilegung mehrerer langjähriger Streitigkeiten mit der EU. Microsoft freue sich darauf, «auf dem Dialog und dem Vertrauen aufzubauen», die zwischen beiden Seiten entstanden seien.
Doch Microsoft ist noch nicht ganz aus dem Schneider. Die EU warnte das US-Unternehmen, falls es sich nicht in den nächsten fünf Jahren an seine Zusagen halte, könne man ihm ohne weitere Beweise eine Strafe in Höhe von zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes aufbrummen. Microsoft muss ausserdem weitere Informationen über seine Betriebssysteme preisgeben, damit andere Programmentwickler die Chance haben, ihre Produkte kompatibel zu Windows, Windows Server, Office, Exchange und SharePoint zu machen. |